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JASON RHOADES − PERFECT WORLD


9. NOVEMBER 1999 BIS 5. MÄRZ 2000



Bereits 1994/95 erregte Jason Rhoades mit seiner spektakulären Installation in der Ausstellung "temporary translation(s)" (Sammlung Schürmann) in den Deichtorhallen Hamburg Aufsehen. Daran anknüpfend wird der aus Los Angeles stammende Künstler in der gesamten Südhalle der Deichtorhallen (ca. 1.800 qm2) ein flächendeckendes "Work in Progress" erarbeiten. Die Arbeit "Perfect World" wird wohl die größte Innenskulptur, die jemals gebaut wurde.

Jason Rhoades (*1965) nimmt in seinen Rauminstallationen die Vielfältigkeit der gegenwärtigen Kultur auf, zeigt ihre fast unüberschaubare Fülle und Fragmentarisierung. Er wählt präzise aus der Welt der Objekte Dinge aus, die mit großer Sorgfalt zueinander in Verbindung gesetzt werden. Die daraus entstehenden Werke leben von ihren inhaltlichen und metaphorischen Aspekten, die immer das Bildnerische spüren lassen. Die verwendeten Materialien stammen zum großen Teil aus der kalifornischen Lebenswelt der Künstlers. Er benennt Dinge, konstruiert Verbindungen und interpretiert die Welt damit auf seine Weise. Die Werke haben ihren Ursprung in den spezifischen Entstehungsumständen des Ortes, den beteiligten Personen, dem Werkkontext sowie der Biographie des Künstlers. Aus der Vielzahl der bisher entstandenen Arbeiten entwickelt sich ein komplexes Netzwerk an Beziehungen, die zum Verständnis von Rhoades Werk elementar beiträgt.

Das Projekt von Jason Rhoades für die Deichtorhallen sieht vor, mit Hilfe eines Gerüstsystems aus polierten Rohren auf dem Boden des Ausstellungsraumes eine erhöhte Ebene zu gestalten. Die Ebene ist teilweise durch offene Behältnisse unterbrochen, die den Blick nach oben auf die Architektur der Deichtorhallen und den Aktivitäten auf der Ebene freigeben sowie Licht unter die Plattform scheinen lassen. Beim Eintritt in den Ausstellungsraum erscheint das Trägersystem unregelmäßig, es erweckt den Eindruck eines dichten "Waldes", obwohl es einen modularen Aufbau besitzt. Die für Ebene und Gerüst verwendeten Module haben die Form von Dreiecken, die aus dem Goldenen Schnitt abgeleitet sind. Drei Modulgrößen sind vorgesehen.

Bis zur Ausstellungseröffnung soll die erste Phase der aufwendigen Installation fertiggestellt sein. Während der Laufzeit der Ausstellung wird der Künstler Stück für Stück die Installation erweitern und die Plattform mit der gigantischen Fotografie eines Gemüsegartens überziehen, den er diesen Sommer in Nord-Kalifornien fotografiert hat. Als Material dienen ihm hierfür 3.000 Fotos, die den Garten lückenlos aus Augenhöhe fotografiert dokumentieren. Die digitalisierten Bilder werden, vergrößert und auf Vinyl ausgedruckt, den Garten eins zu eins auf der Plattform wiedergeben. Bei dieser Arbeit wird man den Künstler durch die Lücken der Plattform beobachten können. Weiterhin ist es jeweils einem Besucher z.Z. möglich, über einen kleinen Fahrstuhl auf die obere Ebene zu gelangen und so den "Garten" zu betrachten.

Rund 500 Zeichnungen ergänzen die Skulptur. Die Zeichnungen stellen eine Art "visuelles Tagesbuch" über die Entstehung des Projektes dar, das zum Verständnis der gesamten Arbeit beitragen wird.