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IRVING PENN – KARRIERE EINES FOTOGRAFEN


19. JUNI BIS 6. SEPTEMBER 1998



Mit dieser umfassenden Retrospektive des Amerikaners Irving Penn (geb. 1917 in Plainfield, New Jersey) präsentieren die Deichtorhallen das Werk eines der bedeutendsten und einflussreichsten Fotografen unserer Zeit. Die Ausstellung umfasst 120 Fotografien (in s/w und Farbe, teilweise Vintageabzüge), wobei es sich neben den klassischen Aufnahmen auch um zahlreiche rare und unbekannte Prints handelt, die das Werk von Irving Penn in einem neuem Licht erscheinen lassen. Die gezeigten Werke stammen aus allen Stadien der Laufbahn des Altmeisters der Fotografie, der auch heute noch mit der Kamera arbeitet. Seit über einem halben Jahrhundert spiegeln seine weltweit reproduzierten Lichtbilder vielfältige Facetten des zeitgenössischen Lebens wider. In all seinen Bildern gilt Penns Aufmerksamkeit gleichermaßen dem Inhalt und der Form.

Mit 17 Jahren nimmt Penn ein Studium der Gestaltung in Philadelphia (1934 bis 1938) auf. 1943 beginnt er unter Alexander Liberman, Art Director der Vogue, als Gestalter für das Magazin zu arbeiten. Für die Oktoberausgabe 1943 lässt ihn Liberman sein erstes Cover fotografieren, mehr als 160 Titelfotos und unzählige Aufnahmen für die Vogue folgten bis heute.

Seine Arbeiten für die Vogue bilden den Anfang einer höchst vielseitigen fotografischen Karriere: Mode, Portrait, Akt und Stilleben sind die charakteristischen Bildtypen innerhalb der Ikonographie von Irving Penn. Doch führt ihn sein Interesse am Menschenbild weit über diese klassische Typologie hinaus. Darüber legen beispielsweise seine ethnographischen Studien Zeugnis ab, die er, mit einer altmodischen Plattenkamera in der Hand in Neuguinea, Kamerun, Peru und Marokko vorgenommen hat.
Ähnlich wie sein amerikanischer Kollege Richard Avedon befreite Irving Penn die Fotografie der Nachkriegszeit vom Ballast der barockisierenden Arrangements in üppigen Studios und holte sie mitten ins Chaos des Alltags. Bekannt sind seine Aufnahmen von Modellen, die auf einer Leiter stehen oder auf verschmutzten Atelierböden posieren.

Penn ist aber auch der Autor einer eindrucksvollen Galerie von einprägsamen Portraits, die ihre Entstehung der Auseinandersetzung mit starken, schöpferischen Persönlichkeiten verdanken: Er portraitierte Picasso, Duchamp, Strawinsky, Cage, Saul Steinberg und Truman Capote, indem er sie in eine Ecke aus weißgetünchten Stellwänden zwang und sie vor diesem neutralen Hintergrund aus den gewohnten Posen hervorlockte. In dem gleichen abstrakten Raum fotografierte Penn aber auch die „gewöhnlichen" Leute, einen englischen Bergarbeiter oder einen französischen Angestellten sowie anonyme Menschen in Nepal, China, Peru, Portugal, Schweden oder Italien.

Gleichermaßen erkannte Irving Penn die Wichtigkeit der alltäglichen Dinge und entdeckte die Ästhetik des Hässlichen, des Nüchternen: Zigarettenkippen, Fundstücke aus dem Müll, die einfachsten objets trouvés werden durch das stumme Objektiv seiner Kamera monumentalisiert und gewannen die Gültigkeit von modernen Stilleben. Im Juni 1997 wurde der Altmeister der Fotografie achtzig Jahre alt. Dennoch erlebt seine Kunst eine ständige Verjüngung – in seinen eigenen Aufnahmen, aber auch in den Bildern unzähliger Nachfolger, die seine strenge Ästhetik auf ihre Arbeit einwirken lassen.

Veranstalter der Ausstellungstournee ist das Art Institute of Chicago, welches seit 1995 als Geschenk des Fotografen das Penn-Archiv beherbergt: Prints, Negative, Dias, Kontakt- und Probeabzüge sowie schriftliche Dokumente professioneller wie privater Art stellen eine einzigartige Quelle zur Erforschung dieses beeindruckenden Œuvres dar. Somit ist gerade das Art Institute of Chicago zur „ersten Adresse" für all diejenigen geworden, die sich mit der Entwicklung der fotografischen Arbeit von Irving Penn beschäftigen wollen.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Schirmer/Mosel Verlag, München, herausgegeben von Colin Westerbeck mit 192 Seiten, 146 Abbildungen in Tritone und Farbe, mit Texten von Colin Westerbeck, Issey Miyake, Edmund Carpenter, Rosamund Bernier, Colin Eisler und Jennifer Jankauskas zum Preis von DM 49,90.


Weitere Stationen der Ausstellung sind:

Münchner Stadtmuseum, (Oktober '98 – Januar '99) La Caixa, Barcelona (Februar – Mai '99) Ansel Adams Center, San Francisco (Juni – August '99) Metropolitan Museum of Photography, Tokyo (Oktober – Dezember '99), The Museum of Fine Arts, Houston (Februar - April 2000).