ARCHIV
 

FRANZ ERHARD WALTHER – GELENKE IM RAUM


13. MÄRZ BIS 1. JUNI 1998



Franz Erhard Walther, 1939 in Fulda geboren, zählt zu den profiliertesten, international anerkannten deutschen Künstlern der letzten 30 Jahre. Sein umfangreiches Oeuvre setzt sich aus raumgreifenden Objekten und Installationen, Wandarbeiten, Zeichnungen, Performances, Schriften und Künstlerbüchern zusammen. 1989 wurde die Kunsthalle Ritter in Klagenfurt nach Walthers Entwürfen erbaut. Seit 1971 wirkt er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg.

Mit seinen körper- und raumbezogenen, genähten Stoffarbeiten legte Franz Erhard Walther bereits in den 60er Jahren den Grundstein für seinen „Anderen Werkbegriff": Walthers Objekte aus Nessel, Holz und Schaumstoff lassen den Betrachter sozusagen zum Benutzer werden, binden ihn buchstäblich als Maßstab in das eigentliche Werk mit ein und stellen gleichwohl die Autonomie des tradierten Kunstwerks in Frage.

Die Deichtorhallen Hamburg und der Kunstverein Hannover zeigen in zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmten, groß angelegten Ausstellungen jeweils unterschiedliche, bedeutende Aspekte des Oeuvres von Franz Erhard Walther. Unter dem Titel  „Gelenke im Raum" werden in den Deichtorhallen insgesamt 20 Arbeiten aus der Zeit von 1963 - 1998 vorgestellt. Mit der Platzierung dieser Arbeiten in der entsprechenden Anzahl von Räumen entstehen 20 „Situationen" (früher hätte man „Installationen" gesagt). Jede dieser „Situationen" ist „neu", weil die jeweiligen Arbeiten in einen spezifischen Raumbezug gebracht werden. Gezeigt werden jene Arbeiten, die innerhalb der Werkgeschichte Franz Erhard Walthers für seine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Raum" stehen; Wand und Bodenstücke unterschiedlicher Art, denen architektonische Bezüge inne- wohnen. Das menschliche Maß spielt dabei eine wichtige Rolle, fungiert jedoch vorrangig als Modul für Proportionen des Raumes, nicht als Form für das Körperhafte. Farbe tritt als bedeutendes Element des Räumlichen hinzu. Um den Bezug zur Architektur und zum Raum zu verdeutlichen, werden Modelle der „Kunsthalle Ritter" in Klagenfurt in das Zentrum der Hamburger Ausstellung gestellt.

Mit diesen speziell für Hamburg gefertigten vergrößerten Modellen, die von Fotos und Zeichnungen begleitet werden, soll die Erweiterung des Waltherschen Werkbegriffes in die Architektur belegt werden. Der glückliche Umstand, dass Walther tatsächlich bauen, d. h. seine Pläne und Entwürfe „real" umsetzen konnte, gibt der Installation im Zentrum der Hamburger Ausstellung ein besonderes Gewicht.
Dagegen steht in Hannover der 58 teilige „1. Werksatz", den F. E. Walther in den Jahren 1963 - 69 geschaffen hat, im Mittelpunkt der Ausstellung.

Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog; die Publikation der Deichtorhallen enthält ein Interview zwischen Zdenek Felix und Franz Erhard Walther sowie einen Text von Noemi Smolik und zahlreiche farbige Abbildungen. Er kostet DM 39,-.