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NOBUYOSHI ARAKI – TOKYO, MARKT DER GEFÜHLE


27. FEBRUAR BIS 1. JUNI 1998


Unter dem Titel „Tokyo – Markt der Gefühle" zeigen die Deichtorhallen einen Querschnitt durch das Werk des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki (geb. 1940). Die umfassende Auswahl wird bewusst in den Kontext der zeitgleich  vorgestellten Sammlung Lambert, in der Araki vertreten ist, gestellt. Dadurch soll die Möglichkeit geboten werden, die unterschiedlichen Auffassungen der „östlichen" und „westlichen" Fotografie miteinander zu vergleichen.

Während Araki in Japan seit langem als Star der fotografischen Szene gilt, ließ die Rezeption seines Werkes in Europa und Amerika auf sich warten. Erst seit dem Beginn der 90er Jahre werden seine Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen gezeigt und im Zusammenhang mit der sogenannten „straight photography" (unmittelbare, direkte Fotografie) sowie der „authentischen Reportage" aus gesellschaftlichen Randgruppen gesehen. Dazu trug auch die Anerkennung bei, die seiner Arbeit seitens mehrerer namhafter Fotografen wie William Klein, Robert Frank, Nan Goldin und Larry Clark zuteil wurde. Mit der Amerikanerin Nan Goldin schuf er nach ihrem Besuch in Japan 1994 das vielbeachtete Buch „Tokyo Love", eine Hommage an die junge japanische Generation.

In seinem Heimatland gefeiert, aber auch von der Zensur verfolgt, arbeitet Araki seit Jahren parallel auf mehreren Ebenen: schwarz-weiße Fotos, Cibachrome, Zeitschriften, Bücher, Diaprojektionen und Film zählen zu seinen Medien. Ebenso vielfältig erscheinen die Schauplätze, auf denen er seine Arbeiten präsentiert: Von Nachtbars über Kaufhäuser bis zu Tokyoter Restaurants, Galerien und Museen spannt sich der Bogen von privaten und öffentlichen Ausstellungsorten. Mehr als 100 Fotobücher, davon 20, die in einer besonderen Edition „The Works of Nobuyoshi Araki" erschienen sind, legen Zeugnis ab von der obsessiven Art des Japaners, Bilder zu produzieren und zu speichern.

Thematisch konzentriert sich Araki auf Akte, Bondagen, Blumen, Stadtlandschaften, Porträts und Stilleben. Zu seinen neuesten Arbeiten gehört eine Serie von „abstrakten", mit schwankender Kamera angefertigten Fotos nächtlicher Szenerien. Die japanische Metropole Tokyo stellt für Nobuyoshi Araki nicht nur den Bezugspunkt seines Lebens dar (er verlässt die Stadt äußerst selten), sondern bietet ihm eine imaginative Projektionsfläche für seine Phantasie. Seine Beschäftigung mit dem Leben in Tokyo ist äußerst subjektiv und emotional beladen. Erotik, Sexualität, Obsessionen, Wünsche und Träume werden in seinen Fotos mit den Realitäten des Lebens konfrontiert und in den Kontrast zum Verfall und Tod gestellt. Das Subjektive geht dabei in das Objektive über und vice versa.

„Meine Modelle ... sind mehr als nur visuelles Füllmaterial, es sind Partner, Teil eines Gesprächs, sind ebenso unentbehrlich wie die schussbereite Kamera... Ich reproduziere in meinen Fotos den Raum und die Zeit zwischen meinem Modell und mir." (Araki)


Zur Ausstellung erscheint bei der Edition Stemmle, Zürich eine Publikation mit 100 Farbaufnahmen von Blumen und 100 schwarz-weißen Fotos aus einem Araki-Film, mit Texten von Zdenek Felix und Ulf Erdmann Ziegler. Preis DM  42,-.