ARCHIV
 

PIERRE SOULAGES
MALEREI ALS LICHT UND FARBE
RETROSPEKTIVE
1946-1997


16. MAI BIS 17. AUGUST 1997

 

Der Franzose Pierre Soulages (geb. 1919 in Rodez, Departement Aveyron) zählt zu den markantesten Persönlichkeiten der „Ecole de Paris" der Nachkriegszeit und zugleich auch zu den bekanntesten Künstlern seines Landes. Seine Malerei wurde in den 50er und 60er Jahren den internationalen Tendenzen des „Informel" und „abstrakten Expressionismus" zugeordnet, wobei sich die gestische Struktur seiner Gemälde immer wieder als sperrig und individuell erwiesen hat. Zur Bekanntheit dieses Werkes trugen nicht zuletzt die Beteiligungen an den drei documenta-Ausstellungen in Kassel 1955, 1959 und 1964 bei. Schon bald erfolgte auch die Aufnahme von Soulages' Bildern in die deutschen Museumssammlungen. Neben Härtung, Mathieu, Schneider und Wols wurde gerade Soulages zum Aushängeschild der französischen Nachkriegskunst, wobei diese Rolle eher im Ausland als in Paris akzeptiert und beachtet wurde.

Erstaunlicherweise fanden die gestischen, farbig reduzierten Bilder von Soulages sehr früh in New York eine positive Aufnahme, was dem französischen Künstler die Kontakte zu Malerkollegen wie Mark Rothko und Willem de Kooning ermöglichte. Für Soulages von großer Bedeutung waren ebenfalls seine Reisen nach Japan, wo er japanischen Kalligraphen begegnete und als Bote einer verwandten künstlerischen Haltung aufgenommen wurde.

Der jüngeren Generation in Deutschland ist das Werk von Pierre Soulages allerdings weniger bekannt. Die weitgehenden Veränderungen auf dem Gebiet der Kunst, die neuen Medien und künstlerischen Strategien haben die Malerei der 50er und 60er Jahre aus dem Blick der Öffentlichkeit scheinbar verdrängt, allerdings nicht auf Dauer. Eine Neubewertung scheint sich in der letzten Zeit anzubahnen, die nicht zuletzt dem Werk von Soulages gilt. Die 1995-1996 in Münster, Paris, Montreal und Sao Paulo gezeigten großen Schauen der Malerei von Soulages haben die erstaunliche Aktualität dieses Werkes erneut bewiesen.

Das Überraschende an den letzten Präsentationen war, dass sich die Malerei des Franzosen keineswegs als „klassisches Kapitel" der Nachkriegskunst erwiesen hat. Vielmehr betrat Soulages mit seiner Entscheidung, nach 1979 ausschließlich monochrome, schwarze, die Farbmaterie betonende Bilder zu malen, ein unbekanntes Terrain. Diese dunklen, Licht absorbierenden und modulierenden Gemälde lassen sich innerhalb der malerischen Produktion der vergangenen zwei Jahrzehnte kaum einordnen, so ungewöhnlich, eigenwillig und ausdrucksstark wirken sie.

Die Hamburger Ausstellung zeigt eine konzentrierte Auswahl von ca. 90 Bildern aus der Zeit 1946-97, wobei sie die neueren Werke besonders hervorhebt. Geboten wird ein Panorama eines systematischen und konsequenten Werkes, dessen Bedeutung im Zusammenhang mit den heutigen Diskussionen über den Stellenwert der Malerei zunehmend sichtbar wird.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Zdenek Felix, Robert Fleck und einem Interview von Charles Juliet; 76 Seiten mit 40 Farbabbildungen.

Zustande gekommen ist die Ausstellung in den Deichtorhallen in Zusammenarbeit mit dem Institut Français in Hamburg, dem Service Culturel de l'Ambassade de France, Bonn und der Association Française d'Action Artistique des Französischen Außenministeriums (AFFA).

Ein Dokumentarfilm von Rainer Moritz über den Künstler Pierre Soulages wird im Kino ABATON, Hamburg, am 25. Mai, 15. Juni und 6. Juli jeweils um 11 Uhr vorgeführt.