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IAN HAMILTON FINLAY – WORKS: PURE AND POLITICAL


8. SEPTEMBER BIS 26. NOVEMBER 1995


Konzeption: Ian Hamilton Finlay
in Zusammenarbeit mit Pia Maria Simig


Zu Beginn der Herbstsaison 1995 zeigen die Deichtorhallen Hamburg eine große Übersichtsausstellung des schottischen Dichters und Künstlers Ian Hamilton Finlay. Der 1925 auf den Bahamas geborene, in Stonypath bei Edinburg lebende Autor zählt zu den international profiliertesten Vertretern der heutigen britischen Kunst.

Spätestens seit der documenta 8 in Kassel (1987), wo Finlay mit der im Auepark auf den kleinen Tempel zulaufenden Allee von Guillotinen Aufsehen erregte, gilt das Werk des Schotten, je nach dem Standpunkt, als Stein des Anstoßes oder aber als Ausgangspunkt einer neuen, radikalen Sicht der Tradition von Kunst und Poesie.

Zu FInlays Installation "A View to the Temple" in Kassel schrieb der Kritiker Yves Abrioux treffend: "Die Spannung zwischen Schönheit und Schrecken ist auf Messers Schneide gebracht, und Finlays Radikalität geht bis an die äußerste Grenzen dessen, was unsere Kultur zu ertragen vermag."

Es ist deshalb naheliegend, dass Finlays Arbeiten die Meinungen polarisieren. Indem er politische, historische, literarische und philosophische Motive in sein Werk einführt, pocht Finlay auf den traditionellen Sinn des Kunstwerks als Träger von Inhalten und Aussagen und lehnt somit den modernistischen Gedanken der formalen Autonomie ab.

Diese Haltung kann man in unterschiedlichen Arbeiten von Finlay verfolgen, die sich auf die Französische Revolution, auf die Antike sowie auf die Geschichte der Literatur, Politik und Kunst beziehen.

Eine Art Enzyklopaedie von Themen, die Finlays Werk mehr als drei Jahrzehnte prägen, stellt der Dichtergarten "Little Sparta" in Stonypath dar. Als bedeutender Ausgangspunkt wird der Garten in den Deichtorhallen anhand der Fotos von Werner Hannappel dargestellt.

Die Schau umfasst die Zeitspanne 1970-1995, wobei sie einige "Hauptthemen" von Finlay besonders hervorhebt: die französische Revolution, den Neoklassizismus, konkrete Poesie in Form von dreidimensionalen Objekten wie Möbeln und Neoninschriften sowie den von Finlay seit langem verfolgten Themenkreis der Schiffsreise (Boote, Segelschiffe, Kriegsschiffe, etc.) Insgesamt werden 20 Räume jeweils unterschiedlichen Themen oder Motiven gewidmet. Im Zentrum der Ausstellung steht die speziell für die Deichtorhallen entworfene Installation "Picpus" – eine bildhafte Paraphrase eines Pariser Friedhofs der Revolutionszeit, für Finlay gleichsam ein Mahnmal der Bürgerkriege unserer Gegenwart.

Mit dem zentralen Stück der Schau in den Deichtorhallen wird auf den Titel: "Works: Pure and Political" verwiesen: neben zahlreicher Arbeiten mit poetischem Kontext will die Ausstellung im Sinne von Finlay Aussagen zum politischem Kontext eines Kunstwerkes machen.

Begleitet wird die Ausstellung von einer speziellen Publikation des Cantz-Verlages in Stuttgart. Unter dem Titel "Werke in Europa 1972-1995" versammelt dieses Buch die wichtigsten Arbeiten von Finlay, die in öffentlichen Innen- und Außenräumen vorwiegend in Gärten und Parks in England, Holland und Deutschland in situ installiert worden sind:

Ian Hamilton Finlay
Werke in Europa 1972 - 1995
Herausgegeben von Zdenek Felix & Pia Simig
Mit Texten von John Dixon Hunt und Harry Gilonis
Fotos von Werner Hannappel
232 Seiten, gebunden

Die Ausstellung von Ian Hamilton Finlay in den Deichtorhallen wird durch The British Council gefördert.

Mit dieser Schau präsentieren die Deichtorhallen zum ersten Mal im norddeutschen Raum ausführlich das Werk von Roy Lichtenstein.