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ROBERT MORRIS – THE MIND / BODY PROBLEM


10. MÄRZ BIS 7. MAI 1995


Als Ergänzung und zugleich dialektisches Gegenstück zur Retrospektive von Roy Lichtenstein (10.2.-30.4.1995) zeigen die Deichtorhallen eine umfangreiche Übersicht über das Werk von Robert Morris (10.3.-7.5.1995).

Die beiden Schauen ergänzen sich zu einer Lehrstunde der neueren amerikanischen Kunst. Janusköpfig, in unterschiedliche Richtungen schauend und dennoch dem gleichen Körper angehörend, so könnte man die Spannweite der beiden künstlerischen Standpunkte von Lichtenstein und Morris umschreiben. Scheinbar kann der Unterschied nicht größer sein. Während Roy Lichtenstein (geb. 1923) für die Pop Art steht, wird Robert Morris (geb. 1931) der Minimal Art zugeordnet. So zeigt sich in diesem Gegensatz die Polarität der Urbanen Realistik und der technoiden Abstraktion wie in einem vergröberten Raster, in dem sich Inhalt und Form, Leben und Geist gegenüberstehen.

Bei Robert Morris fügen sich jedoch die polaren Gegensätze zu einem sperrigen, schwer einzuordnenden Oeuvre zusammen, wohl ein Grund dafür, dass dem Werk des 64-jährigen Künstlers der Hang zur Kopflastigkeit und Sprunghaftigkeit nachgesagt wird. Tatsächlich spiegelt dieses Werk zahlreiche Facetten der konträren Entwicklungen der Kunst seit 1950 wieder.

Robert Morris studierte an mehreren Kunstschulen in Kansas City, San Francisco und Portland. In den späten 50er Jahren hat er die Malerei aufgegeben, um sich dem Avantgarde-Tanz zu widmen. Von Interesse waren für ihn die neuen Formen des Tanzes, die sich der Expressivität und dem Psychologismus entzogen haben. In den frühen 60er Jahren entstehen großformatige Plastiken aus Industriematerialien – Antwort auf die Übermacht des Abstrakten Expressionismus. Mit der Verwendung des Isoliermaterials Filz kam eine weitere bedeutende Komponente in das Werk von Morris. Der Strenge der Form bei den Objekten aus Metall steht die Weichheit und Plastizität der "Feit pieces" gegenüber.

Morris Oeuvre beinhaltet ebenfalls Performances, großformatige Installationen mit Spiegeln und Holzbalken, Labyrinthe und "Earth works". Werke aus Industrieabfällen ("Dirt"), mit welchen Morris zur Entstehung der sogenannten Antt Form beigetragen hat, runden das Bild ab.

Im Unterschied zu New York, wo die Schau in zwei voneinander entfernten Ausstellungsgebäuden gezeigt wurde, vereint in Hamburg die große Nordhalle der Deichtorhallen das gesamte Material zu einer imposanten Retrospektive. Neu hinzugekommen sind die schwebenden "Urnen", eine Arbeit aus der letzten Zeit. Die Schau wandert anschließend ins Centre Pompidou nach Paris.
 
Von Diane Waldman, Deputy Director und Senior Curator des Guggenheim Museums in New York, konzipiert, zeigt die Retrospektive charakteristische Bilder und Skulpturen, die aus zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen der USA und Europa stammen.

 Die Ausstellung ist bisher in New York, Los Angeles und Montreal gezeigt worden. Drei europäische Stationen folgen der amerikanischen Tournee: Haus der Kunst, München; Deichtorhallen Hamburg und Palais des Beaux-Arts, Brüssel.