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TEMPORARY TRANSLATION(S) − SAMMLUNG SCHÜRMANN. KUNST DER GEGENWART UND FOTOGRAFIE


10. DEZEMBER 1994 BIS 12. FEBRUAR 1995

Mit der Ausstellung „temporary translation(s) - Sammlung Schürmann" setzen die Deichtorhallen die Reihe von großen Übersichtsausstellungen der Gegenwartskunst fort, die jeweils die Bestandsaufnahme eines bestimmten Themas darstellen. In „Post Human" (März/Mai 1993) wurden plastische Arbeiten und Installationen, in „Der zerbrochene Spiegel" (Oktober 1993-Januar 1994) die Malerei untersucht. Bei der jetzigen Schau sind die Grenzen der Medien aufgehoben, die Gattungen selbst stehen nicht zur Debatte. Vielmehr spielt sich die Bestandsaufnahme der aktuellen Kunst vor dem Hintergrund einer unkonventionellen, originären Privatsammlung ab, deren Objekte nicht primär nach den gängigen ästhetisierenden, sondern nach kommunikativen und utilitären Kriterien ausgewählt wurden.

Die Sammlung Schürmann, in Herzogenrath bei Aachen ansässig, umfasst Arbeiten in unterschiedlichen Medien: den „klassischen" Techniken, wie Malerei und Plastik, stehen Fotografien, raumgreifende Installationen oder Videobänder gegenüber. Objekte wie Radiosender, Bücher, Designgegenstände, Monitore, Texte, Plakate, Regale, Möbel etc. bilden als Träger künstlerischer Strategien, im Kunstkontext eingesetzt, integrale Kommunikationsformen, mit welchen die Sammlung operiert. Diese Elemente werden als Bestandteile eines Systems verstanden, das nicht mehr die Frage nach dem „Neuen" in der Kunst stellt, sondern sich dem Zuschauer öffnet, um seine Sichtweisen, Reaktionen sowie Schlussfolgerungen zu provozieren und zu untersuchen. Mit den Worten des Sammlers ausgedrückt, „verkörpern die Kunstwerke nicht endgültige Produkte, sondern prozesshafte Abläufe, offene Strukturen. Sie sind veränderbar. Die Ausstellung wird zur Momentaufnahme, zur eigenwilligen Übersetzung, ohne Gewähr". Daher rechtfertigt sich der Titel – temporary translation(s) – da es sich bei der Ausstellung in den Deichtorhallen um eine zeitweilige, veränderbare und offene Präsentation handelt, die anhand verschiedener Codes betrachtet und verstanden werden kann.

Die Besonderheit der Sammlung Schürmann liegt in der Art der Verbindung unterschiedlicher Medien und Elemente. Selber als Fotograf tätig, bezieht der Sammler natürlich auch dieses Medium in sein Interessenfeld ein. So werden die Fotos von August Sander („Menschen des 20. Jahrhunderts") mit Bildern des aus Los Angeles stammenden Künstlers Christopher Williams konfrontiert und Fotografien nach deutscher mittelalterlicher Skulptur des japanischen Buddha-Fotografen Kobin Yukawa gegenübergestellt. Mehrere großräumige Installationen (z. B. „Frankenstein in the Age of Biotechnology" von Mark Dion), die teilweise von den Künstlern und Künstlerinnen direkt vor Ort eingerichtet werden, bilden die Schwerpunkte der Ausstellung. Insgesamt werden Arbeiten von 60 amerikanischen, japanischen und europäischen Künstlern und Künstlerinnen gezeigt.

Als Begleitbuch erscheint im Verlag Ars Nicolai, Berlin eine von Wilhelm Schürmann konzipierte Publikation mit ca. 140 Abbildungen.