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ALBERT OEHLEN − malerei


2. DEZEMBER 1994 BIS 15. JANUAR 1995

Mit der Ausstellung von Albert Oehlen (geb. 1954) stellen die Deichtorhallen das provokative malerische Werk eines international profilierten, mit Hamburg verbundenen Künstlers vor. Als Student in der Klasse von Sigmar Polke an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (1978-81) nimmt A. Oehlen aktiv an künstlerischen und politischen Auseinandersetzungen der späten 70er und der frühen 80er Jahre teil. Ein anderes, nicht minder bedeutendes Feld des Interesses ist für ihn die Punk- und Rockmusik.

1977-79 gibt er gemeinsam mit Werner Büttner die drei Broschüren mit dem Titel "Dum Dum" als "Zentralorgan der Liga zur Bekämpfung des widersprüchlichen Verhaltens" heraus, 1982 – ebenfalls mit Büttner – die Publikation "Rechts blinken – links abbiegen". Ein Gemeinschaftsbild mit dem bezeichnenden Titel "Eines Tages werden wir ihnen die Fenster zunageln, und dann kommt (Das Licht von der anderen Seite)", entstanden 1978, legt Zeugnis ab von einer rebellischen, distanzierten Haltung der beiden Künstler; es ist zugleich ein Bekenntnis zu der in den 70er Jahren "totgesagten" Malerei.

Die erste Einzelausstellung von A. Oehlen findet 1981 bei Max Hetzler in Stuttgart statt. Es folgen u. a. die Schauen "Über sieben Brücken musst Du gehen" (1982), "Jenseits konstanter Bemühungen um braven Erfolg" (1983) und die bedeutende Ausstellung "Wahrheit ist Arbeit" (1984) im Museum Folkwang Essen. Diese, teilweise von heftigen Diskussionen begleiteten Auftritte werden meist kollektiv begangen: Werner Büttner, Georg Herold, Markus Oehlen und Martin Kippenberger sind dabei Oehlens Partner.

In den Jahren 1982-84 entstehen die "Spiegelbilder"- Gemälde, denen echte Spiegel beigefügt sind, wodurch die fiktiven Bildräume wie auch die Stereotypen der Bildbetrachtung in Frage gestellt werden. Aus der gleichen Zeit datieren Fotocollagen wie die Serie "Ewige Feile", deren provokante Wirkung von der Verbindung geschichtlich-politischer Motive mit banalen Nudistenfotos herrührt. 1985 folgt der Zyklus "Farbenlehre" und bald darauf die ersten "Abstrakten Bilder", wobei das Adjektiv "abstrakt" bei Oehlen nur äußerlich mit dem Sinn der traditionellen Gattung übereinstimmt. Seit einiger Zeit entstehen anhand von computergesteuerten Mustern die "Computer-Bilder", aber auch weiterhin großformatige Zeichnungen und Lithographien. Oehlens Ziel ist es, die Malerei dahingehend zu entmystifizieren, dass sie weder formal (stilistisch) noch thematisch (inhaltlich) falsche oder illusionistische Aussagen macht. Jedoch wird bei ihm nicht die malerische Technik zum Ziel der Kritik, sondern die Ideologien, von welchen die Malerei im Allgemeinen begleitet wird.

Die Schau in den Deichtorhallen umfasst mehr als 150 Arbeiten (Bilder, Lithographien, Collagen und Zeichnungen) aus der Zeit 1980 bis heute. Es erscheint eine Publikation mit einem Essay von Diedrich Diederichsen in deutscher und englischer Sprache.