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JEFF WALL – TRANSPARENCIES. DEAD TROOPS TALK


25. FEBRUAR BIS 17. APRIL 1994


Einem breiten Publikum wurde der Kanadier Jeff Wall (geb. 1946 in Vancouver) bei der documenta 8 in Kassel (1987) bekannt. Im Fridericianum zeigte er ein in einen Metallkasten montiertes Großbild-Dia mit den Abmessungen 229 x 437 cm, das von hinten mit fluoreszierendem Licht durchleuchtet wie ein riesiges "Kunst Advertisement" wirkte. Während aber die gewöhnlichen Reklametafeln, die man von Bahnhöfen und Flughäfen kennt, für exklusive Produkte werben, zeigt das Groß-Dia von Jeff Wall eine scheinbar banale Szenerie: sechs Ureinwohner Kanadas, die unterhalb einer gewaltigen Autobahnbrücke rasten und einer Erzählerin ("The Storytelller", 1986, Museum für moderne Kunst, Frankfurt/M.) zuhören. Die Kritikerin Verena Auffermann schrieb zu dieser Arbeit: "Die sechs Personen sitzen auf der Kreuzung zwischen Fortschritt und Natur. Die Menschen haben sich dieses Reservat vom städtischen Terrain abgetrotzt".

Jeff Wall, der Kunstgeschichte In Kanada und England studiert hat und heute als Professor an der Universlty of British Columbia in Vancouver lehrt, bekennt sich zu einer narrativen, politisch engagierten Fotokunst, die Kommentare zur Jetztzeit abgeben will. Seine Zivilisationskritik richtet sich an gesellschaftliche und politische Phänomene (Konflikte zwischen Priviligierten und Unterpriviligierten, Krieg, Bedrohung der Natur etc.), wobei sie in eindringlichen Bildern das krisenhafte, unsichere Verhältnis des Individuums zu der entfremdeten Welt thematisiert. "Transparencies" (Transparentbilder) von Jeff Wall stellen keine zufälligen Realitätsabschnitte dar; vielmehr handelt es sich hierbei um präzise Bilder, die anhand langwieriger Inszenierungen (jedes Detail wird beachtet!) entstehen und in ebenfalls komplizierten Verfahren, teilweise mit Hilfe von bildgenerierenden Computern, hergestellt werden.

In den Deichtorhallen ist Jeff Wall bereits zweimal innerhalb einer Gruppenausstellung präsentiert worden: "Standpunkte der Moderne – Werke aus der Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel", 1991 ("Young Workers") sowie "Post Human", 1993 ("Dead Troops Talk"). Die jetzige Schau in der Südhalle zeigt zum ersten Mal in Deutschland eine Auswahl der wichtigsten Transparentbilder des Kanadiers. Vorgestellt werden 18 teilweise großformatige Werke aus der Zeit 1984-1993, darunter die jüngst entstandenen Arbeiten wie "Vampires' Picnic" (Picknick der Vampire) und "The Stumbling Block" (Der Stolperstein), in welchen der Künstler seine Gegenwartsanalyse auf schockhaft-ironische Art und Weise formuliert.

Die Ausstellung kommt zustande in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern und dem Irish Museum of Modern Art, Dublin. Sie wird anschließend in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt.

Die internationale Tournee wird vom Cultural Relations Programme of External Affairs and International Trade Canada gefördert.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation "Jeff Wall – Dead Troops Talk" mit 52 Seiten und 21 Abbildungen und einem Text von Terry Atkinson. Zugleich wird die Publikation "Transparencies" mit 112 Seiten und 59 Abbildungen sowie einem Gespräch zwischen Eis Barents und Jeff Wall angeboten. Beide Publikationen sind zusammen zum Vorzugspreis von DM 39,- erhältlich.