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Elizabeth Peyton

28.09.01 - 13.01.02

Elizabeth Peyton: Franz outside the Deichtorhallen,

Die Deichtorhallen Hamburg haben der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton (geb. 1965 in Danbury, Connecticut) eine umfangreiche Einzelausstellung gewidmet. Die Schau umfaßte 143 Arbeiten von Elizabeth Peyton aus der Zeit 1990 - 2001 und stellte somit die erste Retrospektive der Künstlerin in Deutschland dar. Zahlreiche europäische und amerikanische Privatsammlungen und Museen steuerten hierzu Leihgaben bei.

 

Peytons Hauptthema ist das Porträt. In ihren meist kleinformatigen, fragilen Ölbildern, Zeichnungen und Aquarellen tauchen Menschen auf, von denen sie sich angesprochen fühlt oder die sie als historische Figuren beeindruckt haben. Auf der Liste ihrer Modelle finden sich einerseits Freunde und Bekannte wie die Künstler Craig Wadlin oder Piotr Uklanski und andererseits Berühmtheiten, historische und zeitgenössische, die die Phantasie vieler Menschen beflügeln: Napoleon Bonaparte, Marie Antoinette und Ludwig II. von Bayern beispielsweise, Mitglieder des britischen Königshauses, wie die von den Medien zur Legende erhobenen Lady Di und ihre Söhne oder Gestalten wie Lord Alfred Douglas, der unter dem Kosenamen Bosie bekannte Freund von Oscar Wilde. Zum Repertoire zählen ebenfalls Peytons künstlerische Vorbilder wie David Hockney und Andy Warhol, Filmstars wie Leonardo diCaprio, aber auch Pop-Musiker, etwa der "Nirvana"-Sänger Kurt Cobain, der vor einigen Jahren spektakulär Selbstmord verübte, der Punk-Rocker Sid Vicious oder der glamouröse Star der britischen Pop-Band "Pulp", Jarvis Cocker.

 

Wesentlich für die Wahl der porträtierten Person ist die Möglichkeit der Identifikation mit ihrer Ausstrahlung, Wirkung und ihrem Schicksal, wie auch mit deren Fähigkeit, eine eigene Welt zu schaffen. "Ich denke darüber nach, wie bestimmte Leute das Leben anderer beeinflußt haben. Es ist nicht entscheidend, wer sie sind, oder wie berühmt, eher wie schön der Weg ist, den sie in ihrem Leben beschritten haben und wie inspirierend sie für die anderen waren. Und ich finde das bei Leuten, die ich oft sehe, wie auch bei jenen, denen ich nie begegnete", sagte die Künstlerin 1996 in einem Interview mit Francesco Bonami.

 

Als Vorlagen dienen Elizabeth Peyton sowohl "öffentliche", weit verbreitete Bilder, die sie Büchern, Magazinen, Plattencovern oder Stills von Musikvideos entnimmt, als auch eigene, von ihr selbst aufgenommene, "private" Fotos, wovon 39 in der Ausstellung zu sehen sind. Bezeichnenderweise gibt es in "Peytons Welt" keinen Unterschied zwischen dem privaten und öffentlichen Bereich.

 

Historische Gestalten und lebende Menschen erscheinen als ephebenhafte Wesen mit hellen Augen und scharlachroten Lippen, eher androgyn als einem Geschlecht angehörig. Verbindend für die Bilder ist eine spürbare Intimität, welche sich auch in den Werktiteln widerspiegelt, die meist nur die Vornamen der Modelle preisgeben. Wir sind Zeugen einer individuellen Suche nach zerbrechlicher Schönheit und immerwährender Jugendhaftigkeit, Eigenschaften, die atmosphärisch an die Kunst des "fin de siècle" nach 1890 erinnern. Dabei sind die Bilder eminent gegenwärtig, da sie von unserer Sehnsucht nach Schönheit und Menschlichkeit erzählen, ohne dabei leichtfertig utopisch oder nostalgisch zu sein.

 

Parallel wurden die Ausstellungen „The Contemporary Face - Von Pablo Picasso bis Alex Katz“ und „Wolfgang Tillmans - Aufsicht“ gezeigt.