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Franz West - Appartement

Spätestens seit Mitte der 80er Jahre zählt der Österreicher Franz West (* 1947) zu den herausragendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene. Seine erste große Museumsausstellung in der Neuen Galerie am Landesmuseum Johanneum in Graz (1986) sowie die Teilnahme an den Schauen "De Sculptura" in Wien (1986) und "Skulptur. Projekte in Münster" (1987, 1997) bildeten den Auftakt zu der vielbeachteten künstlerischen Karriere von Franz West.

Die aktuelle Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg präsentiert unter dem Titel "APPARTEMENT" eine Inszenierung von Arbeiten und Werkgruppen aus den vergangenen 15 Jahren. Es ist dies die erste umfangreiche Schau von Franz West im norddeutschen Raum. Sie umfaßt 15 Raumsituationen. In diesem großen "APPARTEMENT" kommen unterschiedliche Medien zur Anwendung: Video, Bilder, Collagen, Skulpturen, "Paßstücke", Exterior-Objekte, Kollaborationen mit anderen Künstlern und Plakatentwürfe. Neben älteren werden neue, bisher nie gezeigte Arbeiten ausgestellt. Die Deichtorhallen-Schau bietet mit diesem "Mix" die willkommene Gelegenheit, das komplexe Werk von Franz West als einen der interessantesten plastischen Entwürfe von heute kennenzulernen.

 

Die Methode, ältere und neuere Stücke in einer spezifischen Installation miteinander zu verbinden und somit neue Kontextsituationen zu schaffen, ist für Wests Ausstellungsstrategie bezeichnend. Wie Robert Fleck schrieb, "zeigt sich, daß Wests Skulpturen bereits seit Jahren zunehmend weniger aus den Einzelstücken heraus verständlich sind, sondern nur in einem immer wieder erneuerten und undefinierten Herangehen an die Idee des Environments." Aber nicht nur der räumliche und inhaltliche Kontext, auch die unterschiedlichen, wechselhaften Funktionen der Skulptur hat Franz West früh in seinem Werk ausgelotet. Er gehört zu jenen Künstlern, die zu Beginn der 90er Jahre die Grenzen zwischen Kunst und Design, dem "freien" und "angewandten" Schaffen unterlaufen haben, in dem sie Mischformen aus beiden Bereichen entstehen ließen. Charakteristisch für Wests Vorgehensweise sind die zahlreichen "Möbel-Skulpturen" – Sitzgelegenheiten, Sofas, Kommoden und Liegen aus Stahl und Blech mit Polstern aus alten Teppichen, welche sich in unterschiedlichen Ausstellungssituationen als "Gebrauchsgegenstände" anbieten.

 

Ähnliche, grenzüberschreitende Formen stellen die "Paßstücke" von Franz West dar: abstrakt anmutende, an organische Formen erinnernde Objekte, die ausdrücklich vom Künstler dazu bestimmt sind, vom Betrachter "benutzt", dem eigenen Körper "angepaßt" zu werden. Hier knüpft West an die Praxis des "Wiener Aktionismus" der 60er und 70er Jahre an, wobei er mit Witz und Humor der Verbindung von Körper und Kunstobjekt neue Bedeutungsebenen erschließt. Die "Paßstücke" und "Möbel" sind für Franz West Instrumente, mit deren Hilfe nicht nur der haptische Kontakt mit der Skulptur hergestellt wird, sondern auch neue Ebenen der Wahrnehmung "ausprobiert" werden können.

 

In Hamburg sind Arbeiten des Österreichers zum ersten Mal 1989 anläßlich der von Harald Szeemann organisierten Ausstellung "Einleuchten" in den Deichtorhallen gezeigt worden. 1994 folgte die Präsentation eines umfangreichen Möbel-Ensembles in der Schau "Temporary Translation(s)", 1997 nahm Franz West an der thematischen Übersicht "Home Sweet Home" teil. Im Frühjahr 2001 wurde dem Künstler ein Raum in der Ausstellung "Vom Eindruck zum Ausdruck" gewidmet. Der Hamburger Kunstverein zeigte 1996 eine dialogische Schau mit Skulpturen von Franz West und Hans Arp.